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REINIG, BRAUN + BÖHM  "Hiwwe un Driwwe"
Label: Pfalzrecords

Paul Reinig (Gitarre, diatonisches Knopfakkordeon, Hackbrett, Mandoline, Gesang), Peter Braun (Gesang, Gitarre) und Rüdiger Böhm (Klavier, Blockflöten, Low Whistle, Gesang) schlossen sich 2001 erstmals zusammen um dem Publikum Pfälzer Folkmusik sowie Liedgut aus dem angrenzenden französischen Elsass und Lothringen vorzustellen. „Hiwwe un Driwwe“ ist ihr drittes gemeinsames Album, bei dem auch wieder Charlotte Lettenbauer am Violincello beteiligt ist.
Außerdem wurden für die Aufnahmen dieses Konzeptalbums Gudrun Walther (Gesang, Geige) und Jürgen Treyz (Mandola) von Cara/Deitsch und der irische Uileann Pipes Spieler Desy McCabe (Craobh Rua) eingeladen. Die neun Lieder und drei Instrumentalstücke sind das Ergebnis der Spurensuche der drei Musiker rund um die Pfalz bis nach Pennsylvania. Rund 400'000 pfälzische Dialektsprecher bewohnen Orte in der Region von Lancaster PA wie Manheim, Strasburg oder Host und haben ihre Traditionen und Lieder bis heute bewahrt. Grund genug für das Trio sich näher mit diesen Liedern zu befassen.
Die musikalische Reise beginnt mit dem Auswandererlied „Jetzt ist die Zeit und Stunde da“ aus dem 19. Jahrhundert und dem darauf folgenden wunderschönen Set „Die Überfahrt“, bei dem traditionelle Tänze wie das nordfriesische „Die blaue Flagge“ und dem englischen „Playford’s Dance“ mit der Eigenkomposition „Das weite Meer“ und dem von Georg Drumm komponierten Stück „Hail America“ zu einem bemerkenswerten deutsch-englisch-amerikanischen Werk zusammen geschweißt wurden. Es folgen Lieder in pennsylvaanisch deitsch wie „Die alt Bauerei“, die pfälzische Version des Schlaflieds „Schloof Bobbeli Schloof“ oder der heitere „Buchelklobber“ Tanz aus der Südpfalz, bei dem Reinig auf dem Hackbrett mit Böhm auf der Blockflöte und Lettenbauer am Violincello ein perfektes Zusammenspiel zeigen. Das vor allem im Elsass populäre Lied „De Hans im Schnoogeloch“ wie auch der Lothringer Branle Tanz „Maître de la Maison“ zeigen die enge Verbindung zum französischen Nachbarland. Das irische „The Irish Palatine’s Daughter“ erinnert daran, dass manch Pfälzer im 18. Jahrhundert auf seiner Reise in die neue Welt auf einem irischen Gutshof an der Westküste hängen blieb. Hier hören wir das großartige Spiel von McCabe an den Pipes, Treyz auf der Mandola und Walther auf der Geige. Aus Galizien westlich der Ukraine stammt das Mundartlied „Klääner Mann un große Fraa“ und erinnert an die dortige Ansiedlung von Pfälzern durch den Habsburger Kaiser Joseph II; hier hören wir ein großartiges Duett mit Gudrun Walther. In ganz Deutschland bekannt sind die „Ballade vom Schinderhannes“ (Räuberhauptmann Hannes Bückler) und das Lauterbacher Strumpflied „In Laudebach“. Und zum Abschluss widmen die drei den als Rock’n’Roll vorgetragenen Gassenhauer „De Pfälzer Bu“ dem Auswanderer Johann Valentin Pressler und seinem berühmten Nachkommen Elvis Presley.
Das Album ist ein außergewöhnliches Zeitdokument mit traditioneller Musik, musikalisch wie gesanglich brillant vorgetragen und mit hochinteressanten Fakten zur Entstehung und dem Hintergrund der Lieder und Tänze. Diese Musik ist nicht nur hoch ansteckend, sondern kann durchaus auch abhängig machen.

Adolf 'gorhand' Goriup

FolkWorld Ausgabe 38 03/2009

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REINIG, BRAUN + BÖHM 
www.pfalzrecords.de