REINIG, BRAUN +
BÖHM
Johreszeide
(Pfalzrecords PRCD
2004-03)
14 Tracks, 52:42; mit Infos
Die vier Jahreszeiten auf „Pälzisch“! Für ihre zweite CD hat das Trio Texte ausgewählter Mundartdichter vertont, die sich mit den Menschen ihrer Region beschäftigen und mit dem, was diese Menschen das Jahr über bewegt. Dabei stehen Poesie und Lyrik im Vordergrund, nicht etwa die schnöde Politik, und so ist es ein teils romantisches, teils heiter-ironisches Album geworden, vom beschwingten Frühjahrslied bis zum depressiven Herbstblues.
Den folkigen Arrangements und dem unpathetischen Gesang ist es zu verdanken, dass Texte wie etwa der älteste auf der CD, August Beckers „Der Rosenbusch“ von 1854, nie in den Gestus des volksdümmlichen Schlagers abrutschen, und so könnte man die Musik auch als moderne Volksmusik im besten Sinne bezeichnen. Dabei erklingen die Lieder in leicht geglätteter Mundart, sodass sie durchaus auch im Rest der Republik verstanden werden können. Die drei Musiker haben sich richtig ins Zeug gelegt, was die Instrumentierung mit Gitarre, diatonischem Knopfakkordeon, Hackbrett, Klavier, Blockflöten, Krummhorn und Gesang angeht. Für ihr zweites Album haben sie noch schönere Arrangements entwickelt, mit Elementen aus Kammermusik, Folk, Chanson, Blues und Rock ’n’ Roll. Als „feste“ Gastmusikerin steuert Charlotte Lettenbauer großartige Celloklänge bei, und für leicht bretonisches Flair sorgen die fast kompletten Bleizi Ruz, Bernard Quillen (Bombarden), Loic Le Borgne (Akkordeon) und Eric Liourzou (Sologitarre), in dessen Studio in der Bretagne die CD aufgenommen wurde. Angereichert werden die Lieder durch einige traditionelle Instrumentalstücke. Sehr hörenswert!
Ulrich Joosten
FOLKER! Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik Ausgabe 1/2005